80% Recyclinganteil: fbb setzt neuen Standard für Strassenbelag

Mit einer neuen Technologie verdoppelt die fbb ihren Recyclinganteil bei der Wiederaufbereitung von Strassenbelag von 40 auf 80 Prozent. Dafür muss die Asphaltaufbereitungsanlage erneuert werden. Aufgrund der Planungszone im Hinwiler Industriegebiet Wässeri ist das bis 2028 jedoch nicht möglich. Bis dahin wird der Berg aus altem Asphaltmaterial immer höher.

Fünf Jahre lang forschte die fbb mit dem Zürcher Innovationsbüro Tribecraft. Nun ist der neueste Meilenstein geschafft: Mit der sogenannten Recombit-Technologie hat die fbb eine Lösung auf den Markt gebracht, welche die Verdoppelung des Recyclinganteil beim Walzasphalt für den Strassenbau von 40 auf 80 Prozent ermöglicht. Der Wert der fbb ist auch im internationalen Vergleich Spitze. Walzasphalt kommt auf Verkehrsflächen zum Einsatz und wird beim Einbau mit Walzmaschinen verdichtet. Die Innovation aus Hinwil ist von grosser Bedeutung, da in der Schweiz immer weniger Strassen neu gebaut, dafür immer mehr saniert werden. Bereits heute liegen 1 Mio. Tonnen Ausbauasphalt ungenutzt auf der Halde in der Schweiz, da er nicht verwertet werden kann. Ein beträchtlicher Teil davon übrigens auch im Industriegebiet in Hinwil.

Herausforderung Asphalt-Recycling

Die einfachste Lösung zur Verwertung des abgefrästen oder ausgebrochenen Asphalts besteht darin, ihn gleich wieder für die Herstellung von neuem Strassenbelag zu nutzen – und so den Stoffkreislauf bestmöglich zu schliessen. Genau dies ist das Ziel der kantonalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die im Herbst 2022 vom Stimmvolk klar angenommen wurde. Das Problem dabei: Bis vor kurzem war der maximale Recyclinganteil im Strassenbelag auf 40 Prozent beschränkt. Grund dafür waren die grossen Schwankungen in der Beschaffenheit des ausgebrochenen Belagmaterials. Höhere Zugabemengen von «alter Strasse» sind nur möglich, wenn deren Zusammensetzung besser bekannt ist. Genau hier setzt die neue Technologie der fbb an.

Der neue Ansatz der fbb

In ihrem Hinwiler Asphaltwerk zerkleinert die fbb das ausgebrochene Strassenmaterial bis zu einer bestimmten Maximalgrösse und trennt es in verschiedene Bestandteile auf. Der ganze Prozess erfolgt rein mechanisch, es sind keine aufwändigen thermischen oder chemischen Verfahren nötig. Auf diese Weise kann das Recyclingmaterial viel präziser beigemischt werden bei der Produktion von neuem Walzasphalt. Dadurch lässt sich der Anteil an gebrauchtem Strassenbelag massiv erhöhen – ohne Qualitätsverlust.

Der Berg an ungenutztem Ausbauasphalt in Hinwil wächst und wächst, da die fbb die Turmanlage nicht erneuern kann, die für die neue Technologie unbedingt nötig ist.

Neue Asphaltaufbereitungsanlage bringt viele Vorteile

Die sorgfältige Bearbeitung und Sortierung des alten Strassenbelags braucht Platz, weshalb die fbb ihr Lager vergrössern und ihre Anlagen modernisieren wird. Das angelieferte alte Belagsmaterial wird künftig in einer neuen Halle gelagert und verarbeitet, wodurch sich Emissionen wie Lärm, Staub oder Geruch für die Anwohner massiv reduzieren. Daneben muss das Turm-Asphaltwerk erneuert werden, da nur so der hohe Anteil Recyclingmaterial verarbeitet werden kann. Das entsprechende Bauprojekt ist jedoch blockiert, da Hinwil fürs ganze Industriegebiet Wässeri eine Planungszone verhängt hat (2025 – 2028). Ein unnötiger Zeitverlust angesichts des grossen Nutzens für die Anwohner von Hinwil und des erzielbaren Umweltvorteils. Zuletzt soll auch ein neuer Ofen zum schonenden Aufheizen des Recyclingmaterials gebaut werden. Mit der hochmodernen Anlage kann die Abluft deutlich besser gefiltert werden und ist viel sauberer als bisher – ein weiterer Pluspunkt fürs ganze Quartier.

Zehntausende Lastwagenfahrten im Strassenbau fallen künftig weg

Hochgerechnet auf die Jahresproduktion der Schweiz für Strassenbelag, könnten mit der Recombit-Technologie aus Hinwil 68’000 Lastwagenfahrten sowie 1,7 Mio. Tonnen Gestein eingespart werden. Dies entspricht dem Volumen beider Roche-Tower in Basel, also der beiden grössten Gebäude der Schweiz. Ebenso könnten 44’000 Kubikmeter Bitumen eingespart werden, was der Füllmenge von 18 olympischen Schwimmbecken entspricht. Insgesamt kann damit die Umweltbelastung der Belagsproduktion um 25% reduziert werden.

Innovation bei der Familienunternehmung fbb

Der Turm des Asphaltwerks, der nun erneuert werden muss, prägt das Industriegebiet Wässeri in Hinwil schon lange. Vor genau 60 Jahren hat die fbb als erstes Unternehmen in der Schweiz auf diese Technik gesetzt. Kurz darauf investierte die fbb in den Kiestransport per Bahn – wiederum eine Première in der Schweiz. Seither transportiert das Traditionsunternehmen aus dem Zürcher Oberland jährlich 250’000 Tonnen Kies auf der Schiene. Anfangs der 1970er Jahre folgte die erste voll integrierte Recycling-Asphalt-Aufbereitungsanlage der Schweiz. Die neue Recombit-Technologie ist der neueste Meilenstein aus Hinwil. Er ermöglicht die Verdoppelung des Recyclinganteils bei der Wiederaufbereitung von Asphalt für den Strassenbau ein Engagement für unsere Zukunft.